Tennis beginnt nicht mit dem perfekten Aufschlag. Es beginnt mit der Entscheidung, es auszuprobieren — und genau diese Entscheidung treffen gerade so viele Frauen wie selten zuvor. Tennis für Anfängerinnen ist kein Nischenthema mehr, sondern eine Bewegung: In Vereinen entstehen neue Kurse, auf Social Media teilen Einsteigerinnen ihre ersten Ballwechsel, und der Sport erlebt einen Boom, der weit über die professionelle Tour hinausreicht.
Dieser Guide richtet sich an Frauen, die mit Tennis starten wollen — ob mit 25 oder 55, ob sportlich oder nicht. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um den Anfang: Was braucht man wirklich, was passiert in der ersten Stunde, und worauf kommt es bei den Grundschlägen an? Die Antworten sind einfacher, als viele denken.
Warum jetzt der beste Zeitpunkt ist, mit Tennis zu starten
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Weltweit spielen laut dem ITF Global Tennis Report 2024 rund 106 Millionen Menschen Tennis — ein Wachstum von 25,6 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren. Frauen sind ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums: Allein in den USA kamen 2025 über 1,1 Millionen Frauen neu zum Sport. ITF-Präsident David Haggerty hat das Ziel von 120 Millionen aktiven Spielerinnen und Spielern bis 2030 ausgegeben: Der signifikante Anstieg spiegele die aktiven und nachhaltigen Bemühungen der nationalen Verbände wider — und der bisherige Wachstumskurs macht dieses Ziel realistisch.
Was diese Zahlen für Anfängerinnen bedeuten: Der Sport wird zugänglicher. Vereine reagieren auf den Zulauf mit neuen Kursformaten, flexiblen Trainingszeiten und speziellen Einsteigerinnen-Programmen. In vielen deutschen Vereinen gibt es mittlerweile Damen-30-, Damen-40- und Damen-50-Gruppen, die gezielt auf Frauen zugeschnitten sind, die erst im Erwachsenenalter mit Tennis beginnen. Die Hemmschwelle, einem Verein beizutreten, ist niedriger als je zuvor.
Ein weiterer Faktor: Tennis ist ein Sport, den man ein Leben lang spielen kann. Anders als Mannschaftssportarten, bei denen der Einstieg nach 30 oft schwierig wird, begrüßt Tennis Quereinsteiger in jedem Alter. Die physischen Anforderungen lassen sich dem eigenen Fitnesslevel anpassen — vom lockeren Doppel bis zum intensiven Einzelmatch ist alles möglich. Und der soziale Aspekt — ob Doppel mit Freundinnen, Vereinsabende oder gemeinsame Turnierfahrten — macht den Sport auch jenseits des Platzes attraktiv. Tennis für Anfängerinnen ist keine Einbahnstraße: Der Einstieg ist der Anfang eines Sports, der mitwächst.
Grundausrüstung — Was Einsteigerinnen wirklich brauchen
Die gute Nachricht zuerst: Für den Anfang braucht man nicht viel. Ein Tennisschläger, ein Paar Tennisschuhe und bequeme Sportkleidung reichen für die ersten Stunden auf dem Platz. Alles andere — Griffbänder, Dämpfer, spezielle Taschen — kann später kommen, wenn klar ist, dass Tennis der richtige Sport ist.
Beim Schläger gilt für Anfängerinnen eine klare Faustregel: leicht und mit großem Kopf. Modelle zwischen 260 und 280 Gramm mit einer Kopfgröße von 100 bis 110 Quadratzoll bieten genug Power und Fehlertoleranz, um die ersten Ballwechsel zu überstehen, ohne Frust zu erzeugen. Wer sich unsicher ist, leiht sich beim ersten Kurs einen Vereinsschläger — die meisten Vereine und Tennisschulen stellen Leihschläger zur Verfügung.
Bei den Schuhen ist die Investition wichtiger als beim Schläger. Tennisschuhe bieten seitliche Stabilität, die normale Laufschuhe nicht haben — und genau diese Stabilität schützt Knöchel und Knie bei den schnellen Richtungswechseln auf dem Platz. Allcourt-Sohlen sind für den Einstieg die richtige Wahl: Sie funktionieren auf Sand, Hartplatz und in der Halle gleichermaßen und kosten zwischen 50 und 90 Euro.
Tenniskleidung ist am Anfang kein Muss. Ein bequemes Sport-Outfit reicht völlig aus — wichtig sind Bewegungsfreiheit und atmungsaktives Material. Erst wer regelmäßig spielt und vielleicht an Vereinsturnieren teilnimmt, braucht sich Gedanken über Tennisröcke, Funktionsoberteile oder Kleiderordnungen zu machen. Der Sport gehört dir, nicht der Garderobe.
Die ersten Stunden — Ablauf, Erwartungen, Tipps
Die erste Tennisstunde ist für viele Anfängerinnen eine Mischung aus Vorfreude und leichter Nervosität. Was hilft: die Erwartungen realistisch halten. Niemand spielt nach 60 Minuten wie eine Profispielerin, und das ist auch nicht das Ziel. In der ersten Stunde geht es darum, den Ball zu treffen, ein Gefühl für den Schläger zu entwickeln und die Grundbewegungen kennenzulernen.
Ein typischer Einstiegskurs beginnt mit dem Vorhand-Grundschlag: Die Trainerin spielt leichte Bälle zu, und die Aufgabe besteht darin, den Ball über das Netz zurückzuspielen. Klingt simpel, fühlt sich aber bei den ersten Versuchen alles andere als einfach an — und genau das ist normal. Nach ein paar Wochen regelmäßigem Training stellt sich das Timing ein, und aus Zufallstreffern werden kontrollierte Schläge.
Übrigens: Nur 24,3 Prozent aller Tennistrainer weltweit sind Frauen. Wer sich bewusst eine Trainerin wünscht, sollte beim Verein gezielt nachfragen — das Angebot wächst, aber die Nachfrage ist oft noch größer. Viele Anfängerinnen berichten, dass sie sich bei einer Trainerin wohler fühlen, weil die Kommunikation direkter ist und die körperlichen Unterschiede zum Männertennis weniger erklärt werden müssen.
Der wichtigste Tipp für die ersten Stunden: Nicht aufgeben, wenn die Bälle anfangs überall hinfliegen, nur nicht dorthin, wo sie sollen. Tennis hat eine steile Anfangslernkurve, aber nach etwa fünf bis sechs Stunden auf dem Platz wird aus Chaos ein Muster — und aus einem Versuch ein Hobby.
Grundschläge und Bewegung — worauf es ankommt
Vier Schläge bilden das Fundament des Tennisspiels: Vorhand, Rückhand, Aufschlag und Volley. Für Anfängerinnen stehen zunächst Vorhand und Rückhand im Mittelpunkt — die beiden Grundschläge, mit denen der Großteil eines Ballwechsels bestritten wird.
Die Vorhand ist für die meisten der intuitivere Schlag: Der Arm schwingt auf der dominanten Körperseite, und die natürliche Schulterdrehung liefert die Kraft. Der Schlüssel liegt nicht im Schwung, sondern im Timing — den Ball im richtigen Moment vor dem Körper zu treffen. Anfängerinnen tendieren dazu, den Ball zu spät zu treffen, wenn er schon neben oder hinter dem Körper ist. Die Lösung: früher in Position gehen und den Ball kommen lassen, statt hinterherzulaufen.
Die Rückhand — ob ein- oder beidhändig — erfordert etwas mehr Übung. Viele Trainerinnen empfehlen für den Einstieg die beidhändige Variante, weil sie mehr Stabilität bietet und weniger Armkraft verlangt. Die einhändige Rückhand hat ihre Vorteile in der Reichweite, ist aber technisch anspruchsvoller und braucht mehr Zeit in der Entwicklung.
Mindestens genauso wichtig wie die Schlagtechnik ist die Beinarbeit. Tennis ist kein Stehsport. Die Grundposition — leicht in den Knien, Gewicht auf den Fußballen, bereit in jede Richtung zu starten — ist der Ausgangspunkt für jeden Schlag. Wer gute Beinarbeit hat, muss den Oberkörper weniger kompensieren und trifft den Ball sauberer. Split-Steps, kleine Ausgleichsschritte und die Rückkehr zur Mitte nach jedem Schlag: Das sind die Details, die den Unterschied machen — nicht nur bei Anfängerinnen, sondern auch auf der WTA Tour.
Quellen
- ITF Global Tennis Report 2024 — Participation hits 106 million: itftennis.com
- Inside the Games — Tennis tops 100 million players: insidethegames.biz
