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Preisgeld-Gleichstellung im Tennis — Stand, Lücken und der Weg zu Equal Pay

Sportvorhersagen

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Die Preisgeld-Gleichstellung im Tennis ist eine Erfolgsgeschichte — und eine, die noch längst nicht zu Ende erzählt ist. Auf der einen Seite stehen die Grand Slams, die seit 2007 Männern und Frauen identische Preisgelder zahlen und damit zum globalen Vorbild für den gesamten Sport geworden sind. Auf der anderen Seite steht die Realität der restlichen Tour: Bei den meisten kombinierten WTA/ATP-Turnieren unterhalb der Grand-Slam-Ebene verdienen Frauen noch immer weniger als Männer — teilweise erheblich weniger.

Das Thema ist nicht abstrakt. Es betrifft die wirtschaftliche Existenz von Spielerinnen, die Wahrnehmung des Frauensports in der Öffentlichkeit und letztlich die Frage, ob gleiche Leistung gleiche Bezahlung verdient. Tennis ist der Sport, der bei dieser Frage am weitesten fortgeschritten ist — weiter als Fußball, weiter als Basketball, weiter als Golf. Und gerade deshalb lohnt sich ein präziser Blick darauf, wo die Gleichstellung bereits erreicht ist, wo sie noch fehlt und welchen konkreten Plan die WTA verfolgt, um die verbleibenden Lücken zu schließen.

Status quo — Wo Frauen gleich und wo weniger verdienen

Die Landschaft der Preisgeld-Gleichstellung im Tennis lässt sich in drei Zonen einteilen. In der ersten Zone herrscht volle Parität: Bei allen vier Grand-Slam-Turnieren erhalten Frauen und Männer identische Preisgelder, vom Erstrundengeld bis zur Siegerprämie. Diese Gleichstellung ist seit 2007 Standard und wurde seitdem nie infrage gestellt.

In der zweiten Zone — den gemeinsam ausgetragenen WTA/ATP-Turnieren der Kategorien 1000 und 500 — nähern sich die Preisgelder an, sind aber noch nicht identisch. Die WTA hat hier einen konkreten Fahrplan vorgelegt: Bis 2027 sollen die kombinierten Turniere vollständig gleiche Prizefonds bieten. Fortschritte sind bereits sichtbar, vor allem bei den größeren 1000er-Events, wo der Abstand in den vergangenen drei Jahren deutlich geschrumpft ist. Doch der Prozess ist an die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Turniere geknüpft und daher nicht überall gleich schnell.

In der dritten Zone — den getrennten WTA- und ATP-Events — ist der Unterschied am deutlichsten. Ein Beispiel macht die Dimension greifbar: Beim Cincinnati Open 2025, einem kombinierten Masters-Turnier, lag der Prizefonds für Männer bei rund 9,2 Millionen US-Dollar, für Frauen bei rund 5,2 Millionen — obwohl das Turnierformat für beide Geschlechter identisch war (Best-of-three, gleiches Feld). Die Differenz von vier Millionen Dollar für dasselbe Turnier am selben Ort verdeutlicht, wie weit der Weg zur vollständigen Gleichstellung noch ist. Cincinnati ist kein Einzelfall: Ähnliche Verhältnisse finden sich bei den meisten kombinierten 1000er-Turnieren, von Indian Wells bis Peking.

Wichtig ist dabei der Kontext: Die Prizefonds richten sich nicht nur nach dem Grundsatz der Fairness, sondern auch nach den Einnahmen, die jedes Geschlecht generiert — TV-Rechte, Sponsoring, Ticketverkäufe. Die WTA argumentiert, dass die wachsende Audience des Damentennis die wirtschaftliche Basis für gleiche Bezahlung liefert. Die ATP hält dagegen, dass ihre Turniere im Durchschnitt höhere Einnahmen erzielen. Die Wahrheit liegt in den Zahlen — und die verschieben sich seit Jahren zugunsten der Frauen. Zwischen 2019 und 2024 wuchs die globale WTA-Audience um mehr als 30 Prozent, während die ATP-Reichweite im gleichen Zeitraum langsamer zulegte. Diese Konvergenz ist der stärkste Verbündete der Gleichstellungsbewegung im Tennis.

Grand-Slam-Parität seit 2007 — ein Modell für den Sport

Die Geschichte der gleichen Grand-Slam-Preisgelder beginnt nicht 2007, sondern 1973. Damals drohte Billie Jean King, die US Open zu boykottieren, wenn die Preisgelder nicht angeglichen würden. Die US Open gaben nach — als erstes Major der Tennisgeschichte. Die Australian Open folgten 2001, Roland Garros 2006 und Wimbledon schließlich 2007, nach jahrelangem öffentlichem Druck. Der Weg dauerte über drei Jahrzehnte, und er war alles andere als geradlinig: Jeder Veranstalter brauchte einen eigenen Anstoß, und die Argumente gegen Equal Pay — von angeblich geringerem Zuschauerinteresse bis zu kürzeren Matches — mussten einzeln widerlegt werden.

Seit diesem Meilenstein haben die Grand Slams ihre Prizefonds kontinuierlich gesteigert — und zwar für beide Geschlechter gleichermaßen. Wimbledon schüttete 2025 einen Rekord-Prizefonds von 53,5 Millionen Pfund aus, die US Open und Australian Open bewegten sich in ähnlichen Größenordnungen. Im Jahr 2024 betrug der Gesamtprizefonds aller vier Grand Slams zusammen mehr als 254 Millionen US-Dollar — je zur Hälfte für Frauen und Männer.

Das Modell funktioniert, weil die Grand Slams wirtschaftlich stark genug sind, um gleiche Preisgelder zu zahlen, ohne Einbußen bei der Qualität oder der Reichweite zu erleiden. Im Gegenteil: Die Zuschauerzahlen der Damenendspiele bei den Grand Slams sind in den vergangenen Jahren gestiegen, teilweise sogar über die der Herrenendspiele hinaus. Das Damenfinale der US Open 2023 (Gauff vs. Sabalenka) erreichte in den USA eine höhere TV-Quote als das Herrenfinale am Tag zuvor — ein Datum, das die ökonomische Begründung für ungleiche Bezahlung endgültig entkräftet.

Die Grand Slams haben damit bewiesen, dass gleiche Bezahlung kein Akt der Wohltätigkeit ist, sondern ein wirtschaftlich tragfähiges Modell. Die Sponsoren, die bei den Grand Slams investieren, profitieren von der Doppelabdeckung: Ein Turnier, zwei gleichwertige Wettbewerbe, doppelte Medienaufmerksamkeit. Für die restliche Tour stellt sich die Frage, warum das, was in Melbourne, Paris, London und New York funktioniert, nicht auch in Cincinnati, Rom oder Peking gelten sollte.

Der WTA-Plan — Volle Gleichstellung bis 2033

Die WTA hat sich einen ambitionierten Zeitplan gesetzt. Bis 2027 sollen die Preisgelder auf allen kombinierten WTA/ATP-Turnieren der Kategorien 1000 und 500 vollständig angeglichen werden. Bis 2033 soll die Gleichstellung auch auf allen reinen WTA-Events erreicht sein — gemessen am Verhältnis der Prizefonds zu den jeweiligen ATP-Äquivalenten gleicher Kategorie.

Die Roadmap basiert auf einer klaren ökonomischen Logik: Die wachsende Audience und die steigenden Sponsoring-Einnahmen im Damentennis schaffen die finanzielle Grundlage, um höhere Prizefonds zu rechtfertigen. WTA Ventures, die kommerzielle Einheit der WTA, hat in ihrem ersten vollen Geschäftsjahr die Einnahmen um 24 Prozent gesteigert und strebt eine Verdreifachung der Erlöse innerhalb von sechs Jahren an. Wenn dieser Wachstumskurs anhält — und die globale WTA-Audience von 1,1 Milliarden Zuschauern 2024 liefert starke Argumente — wird die wirtschaftliche Parität die Voraussetzung für die preisgeldtechnische Parität schaffen.

Kritische Stimmen merken an, dass die WTA die Umsetzung an externe Faktoren knüpft: an Medienrechtserlöse, an die Bereitschaft von Turnierveranstaltern und an die globale Wirtschaftslage. Kein Veranstalter wird gezwungen, seine Prizefonds über Nacht zu verdoppeln. Die WTA setzt stattdessen auf Anreize, auf neue Partnerschaften und auf die schlichte Kraft der Zahlen, die Jahr für Jahr wachsen. Ob das ausreicht, hängt auch davon ab, wie sich die Medienlandschaft entwickelt: Streaming-Deals, die auf jüngere Zielgruppen abzielen, könnten die Einnahmen der WTA schneller steigern als klassische TV-Verträge — oder sie könnten fragmentieren und damit schwerer zu monetarisieren sein.

Kim Piagé vom World Economic Forum ordnet die Entwicklung in einen breiteren Rahmen ein: Gleiche Bezahlung für gleiche sportliche Leistung gewinne eine längst verdiente Dynamik — nicht nur im Tennis, sondern im gesamten professionellen Sport. Tennis ist dabei nicht die Ausnahme, sondern der Wegbereiter. Andere Sportarten, von Golf bis Surfen, orientieren sich an den Fortschritten des Tennis und übernehmen Teile des Modells. Die Frage ist nicht mehr, ob die Preisgeld-Gleichstellung kommt, sondern ob der Zeitplan bis 2033 gehalten werden kann. Die bisherige Entwicklung — steigende Zuschauerzahlen, wachsende Sponsoring-Einnahmen, eine breiter werdende Spitze im Damentennis — spricht dafür.

Quellen