Das Tenniskleid Damen erlebt eine Renaissance, die niemand so recht vorhergesehen hat. Was jahrelang als Nischenprodukt neben dem dominierenden Tennisrock existierte, hat sich in den vergangenen drei Saisons zum Trend entwickelt — auf der WTA Tour ebenso wie auf dem Vereinsplatz. Spielerinnen wie Iga Świątek und Coco Gauff tragen Kleider bei Major-Turnieren, und die Breitensport-Nachfrage folgt dem Vorbild der Profis.
Der Grund für die wachsende Beliebtheit ist weniger modisch als praktisch. Ein Tenniskleid ist ein Einteiler: kein Abstimmen von Top und Rock, kein Verrutschen an der Taille, kein Nachjustieren während des Matches. Alles sitzt aus einem Guss, und genau diese Einfachheit überzeugt immer mehr Spielerinnen. Dazu kommt, dass die Designs moderner geworden sind — weg vom braven Polokleid der 1990er Jahre, hin zu athletischen Schnitten mit Racerback, Mesh-Einsätzen und figurbetonten Silhouetten.
Dieser Guide erklärt, warum das Tenniskleid funktional überzeugt, wie die richtige Größe gefunden wird und welche Dresscodes bei Turnieren gelten — von Wimbledon bis zum Vereinsturnier um die Ecke.
Warum immer mehr Spielerinnen ein Tenniskleid tragen
Der offensichtlichste Vorteil des Tenniskleids ist die Einteiligkeit. Ein Kleidungsstück statt zwei bedeutet weniger Entscheidungen vor dem Match, weniger Gepäck in der Tennistasche und keine Sorge, dass das Top beim Aufschlag aus dem Rock rutscht. Für Spielerinnen, die Wert auf ein unkompliziertes Setup legen, ist das Tenniskleid die effizienteste Lösung.
Darüber hinaus bietet ein gut geschnittenes Tenniskleid einen einheitlichen Look, der das Körpergefühl positiv beeinflussen kann. Wenn alles sitzt und nichts drückt oder verrutscht, fällt es leichter, sich voll auf das Spiel zu konzentrieren. Auf der WTA Tour berichten Spielerinnen, dass sie sich in Kleidern freier fühlen als in der Rock-Top-Kombination — ein psychologischer Effekt, der auf Clubebene genauso gelten dürfte.
Weltweit spielen 106 Millionen Menschen Tennis, und der Sport wächst. Die Besucherzahlen bei WTA-Turnieren stiegen 2024 um 15 Prozent auf 3,5 Millionen — ein Zeichen dafür, dass das Damentennis ein größeres Publikum erreicht als je zuvor. Mit dem steigenden Interesse wächst auch die Aufmerksamkeit für das, was auf dem Platz getragen wird. Das Tenniskleid profitiert von dieser Sichtbarkeit: Was die Profis tragen, wird auf Social Media geteilt, diskutiert und nachgekauft.
Konstruktiv unterscheiden sich moderne Tenniskleider deutlich von ihren Vorläufern. Aktuelle Modelle haben integrierte Shorts mit Balltaschen, verstellbare BH-Einsätze und strategisch platzierte Mesh-Panels für die Belüftung. Manche Hersteller bieten modulare Systeme an, bei denen die Innenshorts separat gewaschen oder ausgetauscht werden können — eine praktische Lösung für Spielerinnen, die ein Kleid an mehreren Trainingstagen hintereinander tragen wollen, ohne jedes Mal das gesamte Teil waschen zu müssen. Das Material ist in der Regel ein Polyester-Elasthan-Mix, der Schweiß abtransportiert und gleichzeitig genug Stretch für Aufschlagbewegungen und tiefe Volleys bietet.
Preislich liegen Tenniskleider etwas über der Rock-Top-Kombination, weil ein einziges Kleidungsstück mehr Material und komplexere Verarbeitung erfordert. Einstiegsmodelle beginnen bei rund 50 Euro, die Mittelklasse liegt bei 80 bis 130 Euro, und Premium-Kleider von Nike oder Lacoste kosten bis zu 160 Euro. Wer den Preis auf zwei separate Teile umrechnet — Top plus Rock —, liegt mit dem Kleid oft auf einem ähnlichen Niveau. Der Mehrwert liegt im besseren Sitz und der einfacheren Handhabung.
Passform und Größe — So sitzt das Kleid richtig
Die Größenwahl bei Tenniskleidern ist etwas anspruchsvoller als bei einem Tennisrock, weil das Kleidungsstück gleichzeitig an Schultern, Brust, Taille und Hüfte passen muss. Ein Rock verzeiht Abweichungen an einer Stelle — ein Kleid nicht. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf genau zu messen und die Größentabelle des jeweiligen Herstellers zu konsultieren.
Die drei entscheidenden Maße sind Brustumfang, Taille und Hüfte. Wer zwischen zwei Größen liegt, wählt bei körpernahen Modellen die größere Variante und bei lockeren Schnitten die kleinere. Der Schulterbereich sollte eng anliegen, ohne einzuengen — bei Racerback-Modellen ist das weniger kritisch als bei Kleidern mit klassischen Trägern, weil das Racerback-Design mehr Schulterfreiheit bietet.
Die Rocklänge des Kleids hängt von der Körpergröße ab und sollte nicht kürzer als Mitte Oberschenkel sein, um beim Bücken und bei tiefen Volleys ausreichend Bedeckung zu bieten. Spielerinnen über 1,75 Meter greifen am besten zu Modellen, die explizit als „Long“ oder „Tall“ ausgezeichnet sind — Standardlängen können bei größeren Spielerinnen zu kurz ausfallen und den Tragekomfort beeinträchtigen. Nike und Adidas bieten in ihren aktuellen Kollektionen Tenniskleider in Standardlänge und als Tall-Variante an, was die Auswahl für große Spielerinnen deutlich verbessert hat.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Der integrierte BH-Einsatz. Die meisten Tenniskleider haben leichte, herausnehmbare Polster im Brustbereich. Für Spielerinnen mit kleinerer Körbchengröße reichen diese häufig als alleiniger Support. Spielerinnen ab Körbchengröße C sollten zusätzlich einen Sport-BH tragen — das Kleid allein bietet in der Regel nicht genug Halt für die Belastungen beim Tennis, insbesondere beim Aufschlag und bei schnellen Richtungswechseln.
Dresscodes auf der WTA Tour und in Clubturnieren
Dresscodes im Tennis sind ein Thema, das regelmäßig für Diskussionen sorgt — und das Tenniskleid Damen steht dabei im Zentrum. Auf der WTA Tour gibt es keine einheitliche Kleiderordnung jenseits der Grand-Slam-spezifischen Regeln. Die Spielerinnen tragen, was ihre Ausrüster vorgeben, und die Vielfalt auf dem Court reicht von klassisch-weiß bis neonfarben.
Wimbledon ist die große Ausnahme. Hier gilt seit über hundert Jahren die All-White-Regel: Die Kleidung muss überwiegend weiß sein, inklusive Unterwäsche und sichtbaren Innenhosen. Für Tenniskleider bedeutet das: Das gesamte Kleid muss weiß sein, auch die integrierte Shorts. Farbige Akzente — etwa ein Logo oder ein schmaler Streifen — sind in begrenztem Umfang erlaubt, aber der Gesamteindruck muss weiß bleiben. Die Regel wurde in den vergangenen Jahren leicht gelockert (farbige Unterwäsche ist seit 2023 erlaubt), bleibt aber im Kern bestehen.
Bei den anderen drei Grand Slams — Australian Open, Roland Garros und US Open — gibt es keine Farbvorgaben. Die globale WTA-Audience von 1,1 Milliarden Zuschauern sieht dort die volle Bandbreite moderner Tennismode, und die Kleider-Designs der Ausrüster sind oft so durchdesignt, dass sie eigene Schlagzeilen generieren.
Auf Clubebene in Deutschland sind die Regeln in der Regel liberal. Die meisten Vereine erwarten saubere, sportliche Kleidung ohne explizite Farbvorgaben. Bei LK-Turnieren und Mannschaftsspielen des DTB gibt es keine offizielle Kleiderordnung jenseits der Anforderung, angemessene Sportkleidung zu tragen. Einige Traditionsclubs — etwa in Hamburg, München oder Baden-Baden — haben eigene Hausregeln, die gelegentlich weiße oder helle Kleidung bevorzugen, aber selbst dort sind farbige Tenniskleider in der Regel akzeptiert. Wer unsicher ist, fragt vor dem ersten Besuch kurz beim Verein nach. In der Praxis wird ein gepflegtes Tenniskleid Damen Modell auf jedem deutschen Platz akzeptiert, unabhängig von Farbe oder Schnitt — der Sport wird über das Spiel definiert, nicht über die Garderobe.
Quellen
- WTA Official — 1,1 Milliarden globale Zuschauer 2024: wtatennis.com
- ITF Global Tennis Report 2024: itftennis.com
