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Beste Tennisspielerin aller Zeiten — Kriterien, Kandidatinnen und der ewige Vergleich

Tennisplatz mit Pokal und Trophäen — die beste Tennisspielerin aller Zeiten im Vergleich

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Wer ist die beste Tennisspielerin aller Zeiten? Die Frage klingt einfach — die Antwort ist es nicht. Sie hängt davon ab, welche Kriterien man anlegt, welche Epoche man gewichtet und ob man rohe Zahlen oder den Kontext der jeweiligen Zeit bevorzugt. Es ist eine Debatte, die seit Jahrzehnten geführt wird und zu keinem abschließenden Ergebnis kommt — was genau ihren Reiz ausmacht.

Drei Namen dominieren die Diskussion: Steffi Graf, Serena Williams und Margaret Court. Dahinter drängt eine neue Generation nach vorne, angeführt von Aryna Sabalenka und Iga Świątek, die mit jedem Titel ihre eigenen GOAT-Argumente aufbauen. Dieser Vergleich legt die Kriterien offen, stellt die Kandidatinnen gegenüber und erklärt, warum es auf die Frage nach der Besten aller Zeiten keine eindeutige Antwort geben kann — aber viele gute Argumente.

Welche Kriterien zählen? Titel, Wochen Nr. 1, Dominanz

Die GOAT-Debatte im Damentennis dreht sich um eine Handvoll Kriterien, die unterschiedlich gewichtet werden können. Das offensichtlichste: Grand-Slam-Titel. Sie sind die Währung des Tennis, und wer die meisten hat, steht automatisch im Zentrum der Diskussion. Aber Titel allein sind nicht alles — die Ära, in der sie gewonnen wurden, die Stärke der Konkurrenz und die Belagsvielseitigkeit spielen ebenso eine Rolle.

Wochen als Nummer eins der Weltrangliste sind ein zweites Schlüsselmaß. Anders als Einzeltitel, die an guten Tagen und mit etwas Losglück gewonnen werden können, misst die Ranglistenführung die Konstanz über einen langen Zeitraum. Wer monatelang die Nummer eins bleibt, dominiert nicht nur einzelne Turniere, sondern das gesamte Feld — Woche für Woche, Turnier für Turnier, gegen eine Konkurrenz, die alles daran setzt, den Thron zu erobern. Graf hielt diesen Platz 377 Wochen, Williams 319 — allein dieser Unterschied von über einem Jahr verdeutlicht, wie viel Gewicht dieses Kriterium in der Debatte hat.

Belagsvielseitigkeit ist ein drittes Kriterium, das oft unterschätzt wird. Tennis wird auf Sand, Rasen und Hartplatz gespielt, und jeder Belag stellt andere Anforderungen. Eine Spielerin, die auf allen drei Belägen Grand Slams gewinnt, muss breiter aufgestellt sein als eine, die nur auf einem Untergrund dominiert. In der GOAT-Debatte ist das ein Argument, das besonders für Steffi Graf spricht — sie gewann auf jedem Belag mindestens vier Grand-Slam-Titel, ein Rekord, den niemand sonst vorweisen kann.

Schließlich gibt es den Faktor Zeitgeist und gesellschaftlicher Einfluss. Tennis ist nicht nur Sport, sondern auch Kultur. Spielerinnen, die den Sport verändert, neue Zielgruppen erschlossen oder gesellschaftliche Barrieren durchbrochen haben, werden in der GOAT-Diskussion anders bewertet als reine Titelsammlerinnen. Billie Jean King etwa hat weniger Grand Slams als die Top-Kandidatinnen, wird aber von vielen als die einflussreichste Spielerin der Geschichte angesehen — weil sie die Strukturen schuf, auf denen alles Nachfolgende steht.

Graf, Serena Williams und Margaret Court im Vergleich

Margaret Court hält mit 24 Grand-Slam-Titeln im Einzel den absoluten Rekord — aber elf davon gewann sie vor der Open Era (vor 1968), als das Teilnehmerfeld kleiner, die Reisemöglichkeiten begrenzter und die Professionalisierung gering war. In der Open Era kommt Court auf 13 Titel, ein respektabler, aber nicht überragender Wert. Ihre historische Gesamtzahl wird in der GOAT-Debatte deshalb häufig mit einem Asterisk versehen: Die Zahlen sind real, aber der Kontext relativiert sie erheblich. Die Gegnerinnen, gegen die Court in den 1960er Jahren spielte, trainierten unter völlig anderen Bedingungen als die Profis späterer Generationen.

Serena Williams steht mit 23 Open-Era-Titeln an der Spitze der modernen Zählung. Ihre Dominanz erstreckte sich über zwei Jahrzehnte, von ihrem ersten US-Open-Titel 1999 bis zu ihrem letzten Australian-Open-Sieg 2017. Williams‘ größte Stärke war ihre Anpassungsfähigkeit: Sie veränderte ihren Spielstil mehrfach im Laufe ihrer Karriere — vom reinen Power-Spiel der frühen Jahre zu einem taktisch ausgereifteren Ansatz in den 2010er Jahren — und blieb trotzdem an der Spitze. Ihre 319 Wochen als Nummer eins, ihre 73 Einzeltitel und ihre Fähigkeit, nach Verletzungspausen und einer Schwangerschaft auf höchstem Niveau zurückzukehren, untermauern den Anspruch auf den GOAT-Titel. Williams hat zudem eine kulturelle Dimension, die über den Sport hinausreicht: Als schwarze Frau in einem historisch weißen Sport hat sie Barrieren durchbrochen, die weit über das Tennis hinausreichen.

Steffi Graf kontert mit 22 Grand-Slam-Titeln, 377 Wochen als Nummer eins und dem Golden Slam 1988. In der reinen Titelzählung liegt sie einen hinter Williams, bei den Wochen auf Platz eins aber 58 vorne. Grafs stärkstes Argument ist die Belagsvielseitigkeit: Kein anderer Spieler hat alle vier Grand Slams mindestens viermal gewonnen. Ihr Golden Slam — alle Majors plus Olympia-Gold im selben Jahr — bleibt unerreicht.

Wer ist die Beste? Es kommt auf die Gewichtung an. Wer reine Titelzahlen wertet, kommt zu Williams. Wer Konstanz und Ranglistenführung betont, landet bei Graf. Wer die historische Gesamtzahl priorisiert, nennt Court — muss aber den Kontext der Pre-Open-Era akzeptieren. Die ehrlichste Antwort: Alle drei haben Argumente, und die Debatte selbst ist ein Beweis für die Größe des Damentennis.

Sabalenka, Świątek und die nächste Generation

Während die GOAT-Debatte sich um die Vergangenheit dreht, schreiben aktive Spielerinnen ihre eigenen Kapitel. Aryna Sabalenka hat in der Saison 2025 mit Preisgeldern von über 15 Millionen US-Dollar einen neuen Rekord für ein einzelnes WTA-Spieljahr aufgestellt — ein Zeichen dafür, dass ihre Dominanz nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich eine neue Dimension erreicht hat.

Sabalenka selbst hat die Stärke der aktuellen Generation mehrfach betont: Das Damentennis werde mit jedem Jahr stärker, die Vielzahl unglaublicher Spielerinnen mit starken Persönlichkeiten sorge dafür, dass jedes Turnier eine neue Herausforderung darstelle. Für die GOAT-Debatte bedeutet das: Die heutigen Spielerinnen treten in einem Umfeld an, das kompetitiver ist als jede Ära zuvor. Die Breite der Weltspitze — zehn bis zwölf Spielerinnen, die jeden Grand Slam gewinnen können — ist ein Phänomen, das es in Grafs oder Williams‘ besten Jahren so nicht gab. Ein Grand-Slam-Titel 2026 zu gewinnen, erfordert möglicherweise mehr Siege gegen mehr hochklassige Gegnerinnen als je zuvor.

Iga Świątek hat mit ihren drei Roland-Garros-Titeln in Folge (2022–2024) bereits eine Sandplatzdominanz gezeigt, die an die besten Jahre von Grafs French-Open-Herrschaft erinnert. Ob sie diese Dominanz auf andere Beläge ausweiten kann, wird darüber entscheiden, ob sie in zehn Jahren als GOAT-Kandidatin gehandelt wird oder als Sandplatzspezialistin in die Geschichte eingeht.

Coco Gauff, Jasmine Paolini und Mirra Andreeva vervollständigen eine Generation, die das Damentennis in den kommenden zehn Jahren prägen wird. Keine von ihnen hat bislang genug Titel, um ernsthaft in die GOAT-Diskussion einzusteigen — aber alle haben das Potenzial, es zu tun. Und genau das macht die Frage nach der besten Tennisspielerin aller Zeiten so faszinierend: Sie ist nie endgültig beantwortet, weil die nächste Antwort vielleicht gerade erst ihre Karriere beginnt.

Quellen